Samstag, 27. Februar 2010

Sinti und Roma - Eine Zigeuner-Rhapsodie

Rund fünf Millionen Roma leben in der EU - meist am unteren Rand der Gesellschaft. Trotz aller Förderprogramme hat sich ihre Lage kaum gebessert.
VON HELMUT HÖGE


Roma-Junge auf einem Zeltplatz in der Nähe von Bukarest. Foto: dpa

In der autobiografischen Erzählung "Als ich noch Zigeuner war" schreibt der 1973 geborene Autor Tamas Jonas über seine Kindheit im sozialistischen Ungarn: "Damals spürte ich schon: es gibt irgendein großes Problem mit dem Sein. Das weiß ich auch heute noch. Aber heute weiß ich mehr: dieses Problem kann nicht gelöst werden."

Zwischendurch - in der Wende - sah es jedoch für kurze Zeit so aus, als wäre für die in Mitteleuropa lebenden Zigeuner mindestens eine Verbesserung möglich. Zwar zersetzte sich ab 1990 die Gleichheit unter den Roma - viele verarmten völlig und einige wenige wurden reich, aber gleichzeitig organisierten sie sich immer effektiver - nicht nur national, sondern auch international: in der "Romani Union". Eine solche entstand erstmalig bereits im Zusammenhang mit dem Prager Frühling 1969. Sie wurde jedoch 1973 verboten. Zuvor fand 1971 in London der 1. Roma-Weltkongress statt. Nach 1989 gründeten Dr. Emil Scuka und Jan Rusenko die erste politische Romapartei in der Tschechoslowakei: Bürgerinitiative der Roma (ROI) genannt, die im ersten nachkommunistischen Parlament elf Abgeordnete stellte. Außerdem wurden in den darauf folgenden zwei Jahren über 100 Romani-Bücher publiziert - mehr als in den ganzen 800 Jahren davor, seitdem Roma in der Region leben, die seit 1918 Tschechoslowakei heißt. Daneben entstanden eigene Roma-Zeitungen und -Magazine. Aus der ROI ging dann die IRU, die Internationale Romani Union, hervor.

Die Blüte der Romakultur währte jedoch nicht lange, denn gleichzeitig organisierten sich auch immer mehr rechtsradikale Skinheads gegen die Roma. Sie töteten bis heute etwa 50 von ihnen. Zuletzt starb ein Rom 2004 bei einer Hungerrevolte in der Ostslowakei, wahrscheinlich durch Polizistenhand. Die zunehmende Gewalt hat in den letzten Jahren bereits viele Roma in die Emigration getrieben: u. a. die Schriftsteller Margita Reiznerova und Frantisek Demeter nach Belgien und Malvina Lolova nach Australien. Derzeit leben etwa 300.000 Roma in Tschechien, das sind 3 Prozent der Bevölkerung. Umgekehrt gibt es eine zunehmende Zahl von Roma, die aus der Slowakei, wo rund 400.000 Roma leben, nach Tschechien emigrieren, weil sie in der Slowakei anscheinend noch mehr diskriminiert werden und die Arbeitslosenquote unter ihnen über 90 Prozent beträgt. Allein 2003 stellten über 1.000 slowakische Roma einen Asylantrag in Tschechien, wo man offiziell von inzwischen 15.000 "Übersiedlern" ausgeht. "Manchmal verschleißen die Sehnsüchte der Menschen wie alte Kleider. Auch die schönsten, feinsten zerfallen, in diesen Momenten spürt man immer, dass es nicht schön ist, zu leben", schreibt Tamas Jonas.

All dies ist auch den Dokumenten und Exponaten des 2006 eröffneten Roma-Museums im mährischen Brno zu entnehmen, das in der Bratislavska-Straße domiziliert ist, inmitten eines zumeist von Roma bewohnten Stadtviertels mit der entsprechenden "Hyperghetto"-Infrastruktur, die vor allem aus Pfandhäusern, Bordellen, Spielhallen, Nachtbars, einem Stützpunkt der Heilsarmee, mehr oder weniger verfallenden Sozialwohnungen und einer städtischen Berufsberatung für Mädchen besteht. 2004 hatte amnesty international kritisiert, dass der tschechische Staat keine Ausbildungsförderung für junge Roma in seinem Etat vorsehe (Romakinder besuchen in der Mehrzahl Sonderschulen).

Nach einem Besuch des Roma-Museums im mährischen Brno fragte ich die Leiterin Frau Dr. Horvathova, ob ihre Einrichtung mit dem Roma-Museum in Jerusalem kooperiere und was sie von den Roma-Museen in Holland, in der Ukraine und in Wien halte, die demnächst eröffnet werden sollen. Sie teilte mir mit, mit den Roma-Museen überall auf der Welt in Verbindung zu stehen und dass sie die Gründung weiterer Museen begrüße. "Die Reichweite der Arbeit unseres Museums in Brno ist noch nicht so groß, wie wir es uns wünschen, nichtsdestotrotz kann es als Aufklärung wirken, und zwar langfristig. Aber natürlich müssen die Leute zuerst eine Arbeit haben, eine gesicherte Existenz, und erst dann werden sie sich für die Kultur interessieren, das gilt auch für die Roma." Damit sieht es allerdings immer schlechter aus.


Lärmschutzwand gegen Roma: "Die Zigeuner arbeiten nicht und feiern die ganze Nacht". Foto: dpa

Frau Dr. Horvathova hatte ihr Museumskonzept bereits im Herbst 2004 auf einem Symposium der EU über "Roma und Sinti im Europäisierungsprozess" vorgestellt. Diese Veranstaltung mit zig Künstlern und Referenten, die in Berlin stattfand, war die erste nach dem EU-Beitritt der osteuropäischen Länder. Wenig später verpflichteten sich Bulgarien, Mazedonien, Montenegro, die Slowakei, Serbien, Rumänien, Ungarn und Tschechien, ihre Roma-Minderheiten besser zu integrieren - vor allem ihre Ausbildungs- und damit Berufschancen zu erhöhen. Weltbank, EU und Soros-Stiftung legten dazu einen "Roma-Erziehungsfonds" (REF) in Höhe von 42 Millionen Euro auf. Zuvor - 2003 - hatte jedoch die Slowakei, wo besonders viele Sinti leben, bei ihrem EU-Beitritt "die strikte Anweisung aus Brüssel erhalten, dafür Sorge zu tragen, dass das slowakische Problem nicht zu dem werde, was es immer war, nämlich zu einer europäischen Angelegenheit. Der freie Verkehr von Waren und Personen, der einer der wichtigsten Gründe war, dass sich die EU überhaupt formierte, sollte denen erschwert werden, die diesen Verkehr in Europa seit Jahrhunderten praktizierten", empörte sich der Salzburger Schriftsteller Karl-Markus Gauß in seinem Buch "Die Hundeesser von Svinia".

Zuvor war es in der nahen Kreisstadt Trebisov bereits zu einem regelrechten Hungeraufstand der dort in sogenannten Elends-"Osadi" konzentrierten Zigeuner gekommen, nachdem die rechtsnationale Regierung ihnen die Sozialhilfe um die Hälfte gekürzt hatte (115 Euro bekommt dort seitdem eine achtköpfige Familie im Monat). Um die Wohlfahrtsempfänger "zur Arbeitssuche zu motivieren", wie es offiziell hieß. Im Osten der Slowakei gibt es rund 700 solcher "Osadi", die man ebenfalls gerne einmauern würde, wäre da nicht die EU mit ihren Menschenrechtsparagrafen sowie die sich organisierenden und sich wehrenden Roma selbst, die, wie ein Sprecher des tschechischen Romasenders "Rota" meinte, "einen regelrechten Krieg mit der Regierung und dem Staat führen".

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte man sie zunächst in den ehemals von Sudentendeutschen bewohnten böhmischen und mährischen Grenzgebieten zwangsangesiedelt. Das betraf Sinti und Roma aus der Slowakei, Rumänien und Ungarn. Zudem wurden Frauen mit vielen Kindern von den Sozialämtern gedrängt, sich sterilisieren zu lassen (auch aus der Zeit nach 1991 sind noch 31 solcher Fälle bekannt geworden; auf Vorschlag der tschechischen Ombudsstelle für Roma will man sie demnächst entschädigen). Nachdem sich 1993 die Slowakei von Tschechien abgetrennt hatte, sollten alle Zigeuner, die einen slowakischen Pass besaßen, das Land verlassen, die Slowakei verlangte jedoch, dass Tschechien ihnen einen Teil der davon Betroffenen abnehme. Es kam zu einem üblen Hin und Her, das noch dadurch verschärft wurde, dass an den Grenzübergängen nach Bayern und Sachsen immer mehr arbeitslos gewordene Romafrauen und -mädchen der Prostitution nachgingen - bis heute.

In der grenznahen westböhmischen Industriestadt Usti nad Labem (Aussig) versuchte man 1999, einige Sozialwohnungen, in denen Roma lebten, mit einer langen, 1,80 Meter hohen Mauer von den besser gestellten Anwohnern der Maticni-Straße abzugrenzen. Noch jetzt sagen viele Bewohner der Stadt: "Es sollte doch nur eine Lärmschutzwand sein. Die Zigeuner arbeiten nicht und feiern die ganze Nacht, während wir jeden Morgen früh rausmüssen." Zuerst demonstrierten die tschechischen Roma dagegen, dann kam es auch zu Protesten im Ausland. Tschechiens Außenminister Jan Kavan meinte daraufhin: "Diese Mauer ist eine Wand zwischen uns und der Europäischen Union." Staatspräsident Václav Havel setzte schließlich durch, dass sie wieder abgerissen wurde. Aber die Segregationstendenzen und den wieder zunehmenden Rassismus hielt er damit nicht auf.

Bereits fünf Jahre nach der "samtenen Revolution" schätzte der tschechische Schriftsteller Bohumil Hrabal die Entwicklung seines Landes in jeder Hinsicht äußerst pessimistisch ein. Unter anderem in einem Brief an seinen langjährigen Freund Arnost Lustig, der als Judaistikprofessor in den USA im Exil geblieben war und wissen wollte, was denn nun - nach dem Zusammenbruch des Sozialismus - in seiner alten Heimat geschehe: "Es ist nicht gerade lustig in Böhmen. Wir sind an einem toten Punkt angelangt", teilte ihm Hrabal laut seiner Biografin Monika Zgustova mit. "Woher wissen Sie das?", fragte Lustig zurück. "Von dem Gesindel, mit dem ich verkehre. Das ist mein Barometer", erklärte ihm Hrabal.

In ihren für die Europäische Union 2002 zusammengestellten "Kapiteln aus der Geschichte der Roma" lässt ihn die Autorin Dr. Jana Horvathova am Schluss zu Wort kommen. Es handelt sich dabei um einen Abschnitt aus Hrabals letztem 1991 geschriebenen Werk "Zigeunerrhapsodie", das ein Loblied auf die klassische Romamusik enthält. Auch in vielen anderen Werken von Hrabal kommen Zigeuner vor, deren minoritäre Lebensweise ihm nicht nur die eher kleinbürgerlichen Neigungen der Mehrheit der tschechischen Bevölkerung so "schön" kontrastierte. Als ehemaligem Hilfsarbeiter und Bohemien - ein Wort, das sich von "Zigeuner" herleitet - standen ihm auch die Ersteren näher.

Frau Dr. Horvathovas kurze "Geschichte der Roma" fungiert inzwischen als der erste Katalog des von ihr gegründeten Roma-Museums. Ihr Vater, Ing. Holomek, hatte zuvor bereits die inzwischen größte tschechische Roma-Organisation - "Die Gemeinschaft der Roma in Mähren" - gegründet, deren Vorsitzender er noch immer ist. Das Museum stützt sich u. a. auf Leihgaben des von Adam Bartosz im polnischen Tarnow gegründeten "Ethnografischen Museums" und der slowakischen Gemer-Malohontske-Sammlung von Roma-Exponaten in Rimavska-Sobota.

In der Tschechoslowakei wurde 1958 und in Polen 1964 ein Gesetz zur Sesshaftmachung aller Nomaden verabschiedet. Das galt in etwa für den gesamten Ostblock. Ein Nachbar in der ungarischen "Zigeunersiedlung", wo Tamas Jonas aufwuchs, meinte dazu rückblickend: "Ich hab immer schöne Erfolge gehabt. Aber dann haben sie sich in mein Leben eingemischt, darum hab ich nicht weiterkönnen, bis nach Miskolc bin ich gekommen, aber weiter nicht." Gleichzeitig bekamen die Roma Arbeitsplätze in der Industrie zugewiesen. Da es sich dabei zumeist um Hilfsarbeiten handelte, gehörten sie nach Auflösung des Sozialismus zu den Ersten, die arbeitslos wurden. In der Zwischenzeit waren jedoch auch ihre früheren Handwerke - wie Scherenschleifen, Schmieden und Kesselflicken - überflüssig geworden. Ähnliches galt für ihren alten Handelsobjekte - Pferde und Teppiche etwa.

Nur die Prostitution und die Musik blühten wieder auf. Bei Letzterer unterscheidet man heute zwischen traditioneller - "phurikane" - und moderner Musik - "rom-pop" genannt. Derzeit leben rund fünf Millionen Roma in der Europäischen Union, das sind zwei Prozent ihrer Bevölkerung, die meisten am unteren Rand der Gesellschaft und am äußersten Rand der Städte bzw. Dörfer. Die Mutter von Tamas Jonas musste immer wieder um Geld betteln: "Mutti konnte vieles ertragen. Sie wurde verjagt, ihr wurden Obszönitäten an den Kopf geworfen, vom 'Parasiten' bis zum 'dreckigen Zigeuner'." Über seinen Vater schreibt Jonas: "Er tat recht daran, niemals bauen zu wollen, auch nicht im übertragenen Sinne, er trieb nur Raubbau, beraubte alle. Uns, unsere Mutter, sich selbst, den Alkohol, seinen Körper. Etwas anderes kann man ohnehin nicht machen. Wer plant, der scheitert. Wer sorgsam ist, wird unglücklich."

Sogar die sorgsamen Zigeuner-"Experten" des oben erwähnten europäischen "Roma-Erziehungsfonds" (REF) sind - nach gut zweijähriger Tätigkeit - unglücklich: die Roma-Gemeinden würden weiterhin benachteiligt und die Roma-Kinder immer noch gerne als "geistig und körperlich zurückgeblieben" in Sonderschulen gesteckt, die Regierungen hätten zwar umfassende Aktionspläne vorgelegt. An deren Verwirklichung hapere es jedoch. Vor allem fehle allgemein "die Erkenntnis, dass die ungarische Gesellschaft es sich nicht leisten kann, bis zu zehn Prozent ihrer Bevölkerung links liegen zu lassen".

Ganz ähnlich sieht es in Bulgarien aus, wo es Mitte August 2007 zu einer kleinen Roma-Revolte in Sofia kam, die sich gegen Skinheads richtete. Von den dortigen 650.000 Roma sind sieben Prozent arbeitslos, zwei Drittel müssen von weniger als 100 Lewa (50 Euro) im Monat leben und 68 Prozent haben keinen Schulabschluss. Die bulgarischen Roma leben faktisch in einer "Parallelwelt". Auch hier wurden auf Druck der EU einige "Integrationsprojekte" eingerichtet. Dagegen gründete sich in mehreren Städten eine an der Hitler-Jugend orientierte rechte "Freiwilligen-Garde".

In Deutschland, das sich mit zwei Millionen Euro am REF beteiligt hat, leben mehr als 600.000 Sinti, um deren Schulbildung und Fortkommen es ebenfalls nicht zum Besten bestellt ist. In Osteuropa gebe es inzwischen sogar mehr gut ausgebildete Roma als in Deutschland, meint ein Vertreter der deutschen Freudenberg-Stiftung, die sich seit Jahren um die Integration der Roma und Sinti bemüht. Weil dem "Roma-Erziehungsfonds" langsam das Geld ausgeht, will Deutschland seinen Beitrag 2008 eventuell aufstocken. Die REF-Experten haben unterdes aber auch noch andere Finanzierungshebel gefunden. Sie beteiligen sich an einem Roma-Musikverlagsprogramm, mit dem bisher ungefähr 1,5 Millionen CDs verkauft werden konnten. In der Musikbranche hat die "Eth-Nische" gerade Konjunktur. Es bleibt also - wohl oder übel - dabei: "Tanz, Zigan, tanz!"

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Quelle: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/eine-zigeuner-rhapsodie/?src=SE&cHash=3e0d55d18b 27. Feber 2010

Samstag, 20. Februar 2010

Nazi 2.0

Extremismus. In Osteuropa erobert eine neue Generation von Rechtsradikalen die Parlamente und öffentlichen Räume. Sie schüren ein Klima des Hasses und gefährden damit die Stabilität der Region.

Von Gregor Mayer

Das realsozialistisch anheimelnde Kulturhaus in der kleinen nordungarischen Ortschaft Nagyrede war am vergangenen Mittwochabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Zum Großteil kamen Männer jenseits der 40, mit kantigen Gesichtern und klobigen Händen, Kleinbauern, Tagelöhner, Pensionisten. Sie wollten Gabor Vona sehen, den Chef der rechtsextremen Partei Jobbik (Die Besseren) und zugleich Spitzenkandidat für die Parlamentswahl am 11. und 25. April. Der Jobbik werden gute Chancen auf den Einzug in die ungarische Volksvertretung eingeräumt. 15 Prozent bekam sie bei der Europawahl im vorigen Juni, acht bis zehn Prozent könnten es diesmal werden.
Vona, 31 Jahre alt, Geschichtslehrer und ehemaliger Hochschülerschafts-Funktionär, stammt aus der Nachbarstadt Gyöngyös. Er strahlt Gelassenheit aus, spielt nahezu beiläufig auf der Klaviatur jener Ressentiments, die Jobbik groß gemacht haben. Dass die Roma „nicht arbeiten wollen“, sei nicht rassisch bedingt, sondern „kulturell“. Seine Partei werde, wenn sie an die Macht komme, die Kinderbeihilfe ab dem dritten Kind streichen und durch Steuerfreibeträge ersetzen. Dann hätten nur jene etwas davon, die einer Arbeit nachgingen, und nicht „Berufs-Kindermacher“, die von der Sozialhilfe lebten. „Wer schon so ein Stier ist, dass er sechs Kinder macht, der kann auch arbeiten“, ätzt Vona. Gelächter im Saal.
Weitgehend unbemerkt von westlichen Beobachtern und Medien sind in vielen neuen Mitgliedsstaaten der EU und an ihren Rändern in den vergangenen Jahren neue rechtsextreme Bewegungen entstanden, die sich in Auftreten und Selbstdarstellung deutlich von den etablierten nationalistischen Parteien unterscheiden. Sie wenden sich vor allem an Jugendliche und haben mit ihrer Werbung Erfolg. Viele junge Ungarn, Tschechen, Rumänen oder Bulgaren sind 20 Jahre nach der Wende von Marktwirtschaft und Demokratie enttäuscht. Sie halten – nicht zu Unrecht – Politiker und Parteien für korrupt und prinzipienlos, sie suchen nach ideologischem Halt und neuen Werten, aber auch nach Mitteln der Provokation. Die rechtsextremen Bewegungen bieten ihnen scheinbar einfache und klare Antworten: Heimat und Vaterland als Ideologie, Roma, Juden oder Ausländer als Feindbilder, Nazi-Symbole als Provokation. In Tschechien oder der Slowakei erreichen sie bei Wahlen nur eine kleine Minderheit. In Ungarn aber sprechen sie damit die Mitte der Gesellschaft an.
Die Jobbik ist auf Erfolgskurs, ihre Politiker strotzen vor Selbstvertrauen. Die Partei wurde 2003 von rechts-rechten Studenten wie Vona und enttäuschten Jungaktivisten der traditionalistisch-rechtsextremen MIEP von Istvan Csurka gegründet. Der Durchbruch gelang ihr 2007. Damals formulierten Vona und seine Freunde den Kampfbegriff „Zigeunerkriminalität“ und gründeten die paramilitärische Ungarische Garde, die „echte Ungarn“ vor den „Zigeunern“ schützen soll.
Nach zahlreichen provokativen Aufmärschen durch Roma-Ghettos wurde die Garde im Vorjahr gerichtlich verboten, doch der Mobilisierungseffekt war erzielt. Und er ist nur ein Teil des Erfolgs. Denn die Jobbik wurzelt in einer in vielen Jahren gewachsenen patriotisch-esoterischen Subkultur in Ungarn. Dazu gehören Rockbands, Liedermacher, eigene Festivals, Bogenschützenvereine, Buchverlage, Sympathisanten in den Kirchen und exzentrische Gruppen, die im Pilis-Gebirge nördlich von Budapest den „Mittelpunkt der Welt“ vermuten.
Zusammengeschweißt wurde dieses Lager der Wende-Frustrierten und Sinnsuchenden auch durch die Unruhen im Herbst 2006. Nach dem Bekanntwerden der „Lügenrede“ des damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany hatte der radikale rechte Mob das Fernsehgebäude gestürmt und sich wochenlang mit der Polizei Straßenschlachten geliefert. Es war auch die Geburtsstunde des Internet-Portals kuruc.info, angeblich der meistbesuchte rechte Internet-Auftritt in Ungarn. Es bedient sich einer offenen Nazi-Sprache, hetzt gegen Roma und Juden und macht Werbung für Hitlers „Mein Kampf“. Die Jobbik bestreitet zwar, hinter dem von US-Servern aus agierenden, gegen ungarische Gesetze verstoßenden kuruc.info zu stecken, doch wird dort die Jobbik-Politik dermaßen zustimmend kommentiert (bis hin zu Veranstaltungsempfehlungen), als wäre es ein Jobbik-Organ.

Arbeiterpartei. Dieser neue, mediengeübte und lebenskulturell verankerte Extremismus ist in Ungarn am deutlichsten sichtbar – und doch nur die Spitze eines Eisbergs. In Tschechien sorgte die Arbeiterpartei (Delnická strana) erstmals im November 2008 für Furore. Mehrere hundert Mitglieder stürmten gemeinsam mit Neonazis des Nationalen Widerstands eine hauptsächlich von Roma bewohnte Plattenbausiedlung in der nordböhmischen Industriestadt Litvínov und verwickelten die Polizei in eine mehrstündige Straßenschlacht. Die Stärke der Rechtsex­tremen, noch mehr aber die massive Unterstützung durch die Nicht-Roma der Stadt, überraschte die Sicherheitskräfte und die Regierungsparteien in Prag.
Ein erster Versuch des Innenministeriums, die Arbeiterpartei zu verbieten, scheiterte an der schlecht vorbereiteten Beweisführung. Über einen zweiten, besser ausgearbeiteten Verbotsantrag wird diese Woche das Verfassungsgericht entscheiden. Der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Tomáš Vandas, zeigt sich unbeeindruckt: Er werde auf alle Fälle bei den Parlamentswahlen Ende Mai kandidieren.
Nach Schätzung der Anti-Extremismus-Abteilung der tschechischen Polizei gibt es in Tschechien zwischen 3000 und 4000 Neonazis, 500 bis 1000 von ihnen sind Aktivisten. Ihr Feindbild stößt in allen tschechischen Gesellschaftsschichten auf Akzeptanz: Roma werden – so wie die Juden in antisemitischen Kampagnen – als faul, fett, parasitär, aber international gut vernetzt ­dar­gestellt. Auf Plakaten fordert die Arbeiterpartei eine „Schädlingsbekämpfung“ (Deratizace). Die der Arbeiterpartei ideologisch nahestehende Nationalpartei (NS) kündigte in einer TV-Werbung die „Endlösung der Zigeunerfrage“ an.
Das Schüren dieser Art von Hass ließ sich leicht in die benachbarte Slowakei exportieren. Dort marschiert die Slowakische Gemeinschaft (Slovenská pospolitos) beinahe jedes Wochenende durch die tristen Dörfer der östlichen Landesteile, um gegen die „Zigeunerkriminalität“ zu protestieren. Als Vorbild dient die Straßenschlacht im tschechischen Litvínov. Bei Lokalwahlen im vergangenen November kam der ideologische Kopf der Gemeinschaft, Márian Kotleba, aus dem Stand auf zehn Prozent, obwohl er nur über das Internet Wahlkampf führte. Zur gleichen Zeit traten innerhalb kürzester Zeit 71.000 Slowaken der Facebook-Gruppe „Keine Vorteile für Zigeuner“ bei. Als Forderungen wie „Zigeuner ins Gas“ auftauchten, wurde sie vom Netz genommen.
Die Slowakische Gemeinschaft verwendet Symbole und Sprache aus der Zeit des slowakischen Staates von Hitlers Gnaden. Márian Kotleba grüßt mit dem alten Gruß der Hlinka-Garde: „Auf Wache!“ Die Gardisten waren Killerkommandos und halfen den deutschen Nazis bei den Deportationen zehntausender slowakischer Juden in die Vernichtungslager. Für Kotleba war das Regime unter Jozef Tiso zwar „nicht ohne Fehler, aber es war der erste moderne slowakische Staat“.

SS-Uniformen. Kotlebas erste Partei wurde vom Innenministerium verboten. Nun will er mit einer neu gegründeten Partei bei den Parlamentswahlen im Juni antreten. Auch in der Slowakei dürften die Rechtsradikalen jedoch eher auf kommunaler Ebene Erfolge verbuchen und hier vor allem der Slowakischen Nationalpartei (SNS) Wähler wegnehmen. Deren Parteiführer Jan Slota wollte zwar einst die ungarischen Nachbarn mit Panzern plattwalzen. Als kleine Partner in der Regierungskoalition machen Slota und seine Partei jedoch nur mehr mit Korruptionsaffären Schlagzeilen. Die neuen Rechtsextremisten nennen Slota einen „Verräter“.
Ganz ähnlich ergeht es den Nationalisten von Ataka in Bulgarien. Schon kurz nach ihrer Gründung vor fünf Jahren gelang ihr mit antisemitischer und antitürkischer Propaganda der Einzug ins bulgarische und ins europäische Parlament. Doch die Propaganda nutzte sich schnell ab. Ataka ist heute nur mehr noch eine Kleinpartei, die sich den Mächtigen anbiedert. Ihre Rolle am rechten Rand hat der Bulgarische Nationalbund (BNS) des in Deutschland aufgewachsenen Bojan Rasate übernommen. Der BNS erklärt faschistische Generäle, in Nazi-Deutschland ausgebildete Kampfflieger und mazedonische Terroristen zu Idolen. Rasate würde gerne eine Art Ariernachweis einführen (siehe Interview). Nach ungarischem Vorbild hat er eine „Nationalgarde“ gegründet, in schwarz-brauner Uniform, wie sie schon von der SS getragen wurde. Die Mitglieder des Nationalbunds sind meist jugendlich, kommen auch aus gebildeten Schichten. Im Gegensatz zu Bewegungen in den Nachbarländern gehören ihm auch viele Mädchen an.

Todesschwadron. Die Verbindungen zwischen all diesen Organisationen sind sehr lose, aber es gibt ernsthafte Anläufe zur Zusammenarbeit. Die tschechische Arbeiterpartei knüpfte Verbindungen zur rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Seit einem Jahr besuchen einander die Kameraden aus Böhmen und Sachsen, treten bei Veranstaltungen gemeinsam auf und versichern einander ewige Treue. Auch österreichische Rechtsex­tremisten kamen zu Besuch. Der ehemalige Führer der verbotenen Neonazi-Organisation Vapo, Gottfried Küssel, trat 2009 in Brünn und in Iglau (Jihlava) auf. In der Slowakei halten rechtsextreme Gruppen aus Tschechien, Polen und Rumänien gemeinsam Wehrsportübungen ab. Die Bulgaren stellten Kontakte zur NPD, zur rumänischen Neuen Rechten und zur spanischen Falanga her. Die „Internationale der Nationalisten“ ist noch ein Hirngespinst. Doch die Formen des Auftritts und des Protests werden immer ähnlicher. Was sich in einem Land bewährt, wird von Gruppen in anderen Ländern schnell übernommen.
Die Nostalgie der Jobbik für das historische „Groß-Ungarn“ und die von ihr hochgepeitschten Grenzrevisionsgelüste stören hingegen nicht nur die Nachbarschaftsverhältnisse in der Region, sondern bilden auch eine unüberwindliche Kluft zwischen den Ungarn und ihren Gesinnungsgenossen in Rumänien, der Slowakei und Serbien. Dafür sucht man die Nähe zu Russland, zum Regime im Iran und zu den Ultras im Westen. Offiziell kooperiert die Jobbik mit der British National Party des Rassisten Nick Griffin und mit dem Front National des Franzosen Jean-Marie Le Pen. Auch mit der deutschen NPD versteht sich die Jobbik gut. Ihre deutschsprachige Webseite ziert ein Interview, das Jobbik-Chef Vona dem NPD-Organ „Deutsche Stimme“ gab. Darin sorgt er sich um den angeblich drohenden „Ausverkauf“ seiner Heimat an die „Juden“. Kontakte werden auch zur FPÖ angebahnt – deren Außenpolitik-Sprecher Johannes Hübner hielt beim Jobbik-Wahlkampfauftakt im Vormonat in Budapest eine aufmunternde Ansprache.
In Ungarn haben rechtsextreme Denkmuster und Haltungen die Mitte der Gesellschaft erreicht. Schon während der Ministerpräsidentschaft des Rechtspopulisten Viktor Orban (1998–2002), der die April-Wahl mit großer Sicherheit gewinnen dürfte, waren viele Hemmschwellen gefallen, war noch vor der Jobbik ein neuer, rechtsextremer Diskurs salonfähig geworden, solange dabei auch Orban politisch unterstützt wurde. Letzte Woche veröffentlichte der Budapester Thinktank Political Capital die verblüffenden Ergebnisse einer vergleichenden Untersuchung über das „Bedürfnis nach ausgrenzenden, autoritären Ideologien und Lösungen“. Die Ungarn werden dabei nur von den Türken, Ukrainern und Bulgaren übertroffen, ihre Nachbarn in der Region, die Tschechen, Slowaken und Rumänen, lassen sie weit hinter sich. So entsteht ein Klima, das zu Gewalttaten ermuntert. Von 2008 bis 2009 ermordete eine rechtsextreme Todesschwadron sechs Roma, unter ihnen ein fünfjähriges Kind. Die vier mutmaßlichen Täter sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Doch viele Roma wollen nicht glauben, dass diese Mörder keine Hintermänner haben, dass die ungeheure Mordserie tatsächlich zu Ende ist. Ihre zunehmende Ausgrenzung durch den meinungsbildenden Mainstream bestärkt sie in ihrer eigenen Ghetto-Isolation. Der soziale und ethnisch aufgeladene Konflikt droht das Land zu destabilisieren.

Quelle: http://www.profil.at/articles/1006/560/261903/nazi-2-0

Dienstag, 16. Februar 2010

Die Creme de la creme der Republik Ungarn, Opernball Budapest 2010

Das ist nicht meine böse Idee. Hab ich von einem ungarischen Bekannten bekommen. Mit genau derselben Überschrift.

















Sonntag, 14. Februar 2010

Ausländer und Roma reinigten gemeinsam das beschmierte Holocaustdenkmal


60 bis 70 Menschen, darunter Ausländer und Roma reinigten am Samstag gemeinsam das Roma-Holocaustdenkmal, das sich im Nehru Park in Budapest befindet.

Die Aktion wurde von Clemens Prinz initiiert, wie der Mitarbeiter des deutschsprachigen Programms des Tilos Rádió gegenüber der Unabhängigen Nachrichtenagentur erklärte: Das Denkmal wurde jetzt schon zum dritten Mal mit Hundekot beschmiert und nachdem offizielle Stellen nicht bereit waren, das Denkmal zu reinigen, organisierte er diese Reinigungsaktion.

Der österreichische Radiomoderator meinte weiters: Ihm war im November das erste Mal aufgefallen, dass jemand das Roma-Holocaustdenkmal geschändet hatte. Damals versuchte er noch herauszufinden, wer für die Entfernung des Hundekots zuständig sit. Von der Bezirksverwaltung bekam er die Antwort, dass das Denkmal vom Bezirk schon einige Male gereinigt worden war, obwohl es in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung fällt. Nachdem nichts geschah, reinigte Clemens Prinz mit einigen seiner ausländischen Freunde das Mahnmal. Er fügte des Weiteren hinzu: In Österreich ist es nicht üblich zu warten, wenn etwas von offiziellen Stellen nicht gemacht wird, man löst dann die Aufgabe selbst.

Der Radiomoderator sagte außerdem: Das ganze wiederholte sich im Dezember, damals halfen bereits 30-40 Menschen beim Reinigen des Denkmals. Diesen Samstag waren es schon 60-70. Der Initiator meinte, dass er sich natürlich über diese zahlreiche Teilnahme gefreut habe, darüber, dass auch Roma an der Aktion teilnahmen, doch meinte er, die Reinigung des Denkmals sei nicht in erster Linie ihre Aufgabe, da bezüglich des Romaholocaust auch nicht sie, sondern „wir Nicht-Roma Dreck am Stecken haben“.

Quelle: http://www.mon.hu/hirek/magyarorszag/cikk/kulfoldiek-romak-egyutt-takaritottak-le-a-bemocskolt-roma-holokauszt-emlekmuvet/cn/news-20100213-05430441


Ein Video zur Aktion von www.nol.hu:

Mittwoch, 10. Februar 2010

Ausztria = MENŐ

Bede Márton



Szomszédainkat az elmúlt húsz évben mindig másképp ítéltük meg. A rendszerváltás környékén még nyilvánvaló volt, hogy Ausztria a legmenőbb, aztán az évek során a menőség és a cikiség többször is körbeúszta Magyarországot. Szlovákiát leszámítva ideig, óráig, néha pedig évekig minden egyes szomszédunk számított valamikor menőnek.

A balkáni szekció rosszul startolt, a háborút érintetlenül megúszó Szlovénia viszont hamar Ausztria örökébe lépett, mint jómódú, rendezett, sípályákkal is rendelkező szomszéd, amelynek ráadásul tengerpartja is van. Aztán ahogy a szlovének egyre jobban elhúztak, és már annyira jól ment nekik az eurójukkal, hogy azt nem lehetett irigység nélkül tovább bírni, át is lendültek a ciki mocsarába.

A horvátoknak is van tengerük, viszont ők nem hagytak le minket villámgyorsan, így sokáig mardhattak menők. A rendszerváltás előtti jugó életérzés örököse egyértelműen a dalmát tengerpart. A szerbek csak később jelentek meg, viszont cserébe úgy rúgták be az ajtót, mint a kettőt lebukott vadállat az alsós osztályteremét. Mi pedig azóta is úgy tartjuk őket menőnek, mint a megfélemlített kisiskolás a bicskás-cigis-fanszőrzetes idősebbet.

A 2000-es évek közepén már odáig fajult a dolog, hogy hirtelen Románia is menő lett. És nem ám Erdély, hanem egyrészt a szerbekhez hasonló forróvérűség, másrészt a fővárosuk okán. Ekkor kezdett mindenki arról sóhajtozni, hogy hej, Bukarest, ott aztán pezsegnek az éjszakák, meg haj, Bukarest, bárcsak nálunk lenne annyi kreatív koponya.

Ukrajnával túl sok baj van, mert hát ahol a francnak sincs kedve élni, az nehezen lehet igazán menő. De még ott is vannak olyan szegletek, Kijevtől a Krímig, amiket először a nyugati turisták fedeztek fel és jelöltek ki coolnak, aztán Magyarországon is mindenki elkezdte ugyanezt szajkózni.

A menőség kétségbeesett keresése, hogy aztán legyen hova menni nyaralni, soha nem állhat meg. Mivel az ismert bökkenők miatt Szlovákia soha nem jöhet igazán szóba, elkezdtünk kicsit messzebb matatni. Három-négy éve Montenegró volt a legmenőbb, az utóbbi egy-két nyár fejleménye pedig az egyre erősödő suttogás Koszovóról és Albániáról: na azok aztán tényleg nagyon menő helyek.

Pedig mindez csak nevetséges hajhászása az újdonságnak. Akárcsak húsz éve, ma is Ausztria a legmenőbb szomszédunk. Sajnos bizonyos ostoba körökben az osztrákokat ízléstelen és humortalan, viszont betegesen rendmániás náciknak szokás tartani, pedig az igazság ettől nagyon messze van. A humorukon lehet vitatkozni, de hogy ízlés dolgában nincs miért szégyenkezniük például előttünk, az egészen biztos. Azon meg ne siránkozzon senki, hogy tiszták az utcáik.

El szokás felejteni, de a magyarok viszonya Ausztriához máig egészen különleges. Messze, de messze ez a legjómódúbb ország, ahol rendszereren magyarok tömegei fordulnak meg. A Monarchia korának keserűségéből egészséges emberben már nem maradt semmi, a szocializmus évtizedeinek tágra nyílt szemű vágyakozásából viszont annál több.

Ma már nincsenek autókat ellenőrző kiskatonák sok kilométerrel Hegyeshalom előtt, a határ utáni első benzinkút viszont még mindig óriási izgalmakat nyújt. Horvát vagy román oldalon senki nem rohamozza meg a shop polcait, Ausztria viszont évtizedekkel a banán és a mosógép után is olyan csodákat kínál, mint a Ballisto, a Schokobanane, a wasabival ízesített Pringles, a nagyobb kiszerelésű light Red Bull, valamint a kolbászok és virslik olyan tömkelege bármilyen falusi kisboltban, amivel egyetlen budapesti hentes sem tud versenyezni.

Borzasztóan szomorú, de Magyarországon húsz év alatt sem sikerült elérni, hogy a pékek megközelítőleg olyan zsemléket tudjanak sütni, mint osztrák kollégáik. Minden osztrák síelés első reggelijének fénypontja a császárzsemle, ami nem az a szétporladó, légbuborékokkal teli otthoni vacak, hanem - igazi zsemle. Ausztria semmit nem vesztett a vonzerejéből, és ezért mindannyian szégyellhetjük magunkat.

Ausztria azonban nem csak csodás kincsekkel várja a magyar turistákat, hanem egyben a világ egyetlen olyan országa tud lenni, amely érezhetően jó hatással van a magyar emberekre. Oktatja, neveli, civilizálja őket.

Amikor a magyar ember Ausztriában nyaral vagy telel, soha nem azt a nagyhangú tapló tempót hozza, amit a világ összes többi népszerű turistacélpontján az említett dalmát tengerparttól kezdve Tunézián át a Maldív-szigetekig sajnálatosan gyakran nyújtani képes. Itt senki nem reklamálja ordibálva a semmit, nincs pöffeszkedés, és még tolakodás is alig. Talán a hatékony jómód közelsége teszi, talán valami atavisztikus félelem a labanctól, mindenesetre a sógoroknál mindenki igyekszik a legjobb formáját hozni.

A legnagyobb csoda pedig az, hogy nem elég, hogy a vendégek kitesznek magukért, de az Ausztriában dolgozók is. Nagyjából öt éve indultak meg a magyar munkavállalók a burgenlandi benzinkutaktól nyugat felé. Először csak a szállodákat és az éttermeket vették be, ma viszont szorgalmuknak és tehetségüknek köszönhetően - és most ebben kivételesen egy gramm irónia sincs - felkúsztak a hegyoldalakba, és a síelőket sörrel, virslivel, skiwasserrel és Tiroler Gröstllel ellátó hüttékben is ők viszik a boltot.

A kasszát még az általában családi kézben lévő vendéglátóhelyek osztrák tulajdonosának unokahúga kezeli, a munka javát viszont magyarok végzik. És ugyanazokban a hüttékben, ahol öt éve még azt lehetett bámulni, hogy olyan gyorsan egyszerűen lehetetlen rendeléseket teljesíteni, ahogy az a kövér osztrák menyecske teszi, ma azon lehet álmélkodni, hogy a valamivel kevésbé kövér magyar lány még gyorsabban tudja ugyanazt.

Az osztrák vendéglátóiparban dolgozó magyarok pont ugyanolyan ügyesek és szorgosak, mint osztrák kollégáik. Azoknak kell lenniük, különben nem kapnák meg ezeket az állásokat, hanem vagy maradnának osztrák kézben, vagy jönnének az elszántabb és még kevesebbet kérő bosnyákok, románok vagy horvátok. A magyar pincéreknek azonban Ausztriában nem esik nehezükre az, amire otthon szinte egyikük sem képes, és mindegyikük kifogástalan, kedves, előzékeny, profi munkát végez. És ezt bizony nem a magasabb bérek teszik, hanem a tisztességgel telített osztrák levegő

Ausztriában messze nem tökéletes minden, és kevés unalmasabb jövőt tudnék Magyarország számára elképzelni, mint Burgenlandot rosszabb kivitelben. Viszont nagyon hálásak lehetünk, amiért legalább egy olyan szomszédunk van, amelyiktől tényleg nagyon sokat lehet tanulni. Akinek nincs munkája Ausztriában, az legalább turistaként vagy síelőként töltsön el itt egy hetet, és figyelje meg, hogy élik az életüket azok, akiknél minden stimmel.

(Lehet arról szó, hogy senki ne írjon olvasói levelet a pincékbe zárt incesztusos kolóniákról? Inkább elmélkedjen mindenki azon, hogy mennyire menők azok a rendes vidéki osztrák panziók, amelyek csökönyösen nem hajlandóak Visa-kártyát elfogadni. Nem smucigság ez, hanem kifejezetten vagányul felmutatott középső ujj a sarcot követelő nemzetközi bankkártya-maffiának.)

Quelle: http://index.hu/velemeny/menonemmeno/2010/02/10/ausztria_meno/

Freitag, 29. Januar 2010

Was hier abläuft, ist durchdachte Provokation

von Miklósi Gábor

[Dieses Interview ist am 30. Juni 2009 in der Internetzeitung index.hu erschienen. Obwohl es ein halbes Jahr alt ist, haben sich die Standpunkte und Ansichten der Partei Jobbik und die ihres Vorsitzenden Gábor Vona nicht geändert. Ich enthalte mich jeden Kommentars, Gedanken zum Gesagten wird sich ohnehin jeder selber machen. Eventuelle sprachliche Eigenartigkeiten entstammen nicht der schlechten Übersetzung, sondern ganz im Gegenteil, der guten.]

Fünfzehn Prozent der Wahlteilnehmer haben im Juni bei den EU-Wahlen für die Partei Jobbik gestimmt. Die Partei hat sich in Ungarn somit als politische Kraft etabliert. Der Vorsitzende der Jobbik, Gábor Vona, sprach über das Programm der Partei, über „Zigeunerkriminalität“, über Landwirtschaft, multinationale Unternehmen, Familienwirtschaften, Schwule, Juden und den Turul-Vogel [ein Fabelwesen der ungarischen Mythologie].

index.hu: „Ungarn gehört den Ungarn“, meint die Partei Jobbik. Wer sind nun die Ungarn, und wem gehört Ungarn nicht?

Vona: Dieser Spruch mag diskriminierend klingen, ich denke aber, dass er eher Aufnahmebereitschaft, Offenheit symbolisiert. Jeder, für den diese Land nicht eine Räuberhöhle oder ein Arbeitslager ist, aus dem man möglichst viel Profit pumpen kann, sondern für den es seine Heimat darstellt, der sich mit ihm verbunden fühlt und hier sein Glück finden möchte, der nur das beste für sein Land will, darf sich mit diesem Spruch identifizieren.

Auf wenn bezieht sich der Slogan dann nicht?

V. Auf die multinationalen Unternehmen z.B. und auf die ungarische Politgarnitur, die diesen Unternehmen dient.

Sind die Zigeuner für Sie Ungarn?

V. All jene sind Ungarn, die denken, dass Ungarn ihre Heimat ist, und die Ungarn nicht für ein Land halten, das man aussaugen, ausrauben, niederbrennen muss. Heimat bedeutet, dass man für seine Heimat auch Opfer bringt.

Wie sehen diese Opfer aus?

V. Dass man arbeitet zum Beispiel.

Jene, die in ungarischen Krisenregionen leben, denen es an Schulbildung mangelt, die keine Arbeit finden oder vielleicht viele Kinder haben und deshalb soziale Unterstützung erhalten, sind also keine Ungarn?
V. Wir können jetzt darauf herumreiten, wer dazugehört und wer nicht. Ich hab gesagt, was ich im Zusammenhang damit sagen kann, und ich halte unseren Slogan für sehr versöhnlich.

In ihrem Programm ist die Schaffung von Ordnung ein zentrales Moment. Wie würden Sie Ordnung schaffen?


V. Wir haben bis jetzt schon mehr für die Ordnung getan, als die politische Garnitur in den letzen zwanzig Jahren. Wir haben die Aufmerksamkeit auf Probleme gelenkt, von denen jeder weiß, aber über die sich keiner sprechen traut: die Zigeunerfrage und der Zustand des ungarischen Militärs. Wir haben auch konkrete Schritte vorgeschlagen, z.B. dass, um die Zigeunerkriminalität abzustellen, auf dem Land sehr wohl wieder die Gendarmerie aufgestellt werden muss, eine Exekutive, die Vollmachten und die Ausbildung hat, um dann mit der entsprechenden Tatkraft auftreten zu können. [Die Gendarmerie war in der Zwischenkriegszeit ein gefürchtetes Unterdrückungsinstrument – Anm. d. Übers.]

Wenn Sie von „Zigeunerkriminalität“ sprechen, dann unterstellen Sie ja einen Zusammenhang zwischen Kriminalität und Abstammung.

V. Das ist ein kriminologischer Begriff, den man an der Juristischen Fakultät und in der Polizeischule unterrichtet hat. Das bedeutet nicht, dass jeder Zigeuner ein Verbrecher ist, sondern dass es spezielle, für die Zigeuner charakteristische Verbrechensformen gibt, die von der Polizei deshalb gesondert zu behandeln sind. Und wir sagen, dass diese Phänomene in Ungarn leider präsent sind, ja fröhliche Urständ feiern.

Schon in den 80er hat man nachgewiesen, dass in jenen Gesellschaftsgruppen, die in einer ähnlichen sozialen Lage sind, die Kriminalität genau so hoch ist, d.h. es gibt keinen ethnischen Grund für die Kriminalität. Nachdem viele Zigeuner in größter Armut leben, werden viele Straftaten, die fürs tägliche Überleben sorgen, eben von Zigeunern begangen.

V. Natürlich kann man sich jetzt auf alle möglichen Studien berufen, doch ich glaube, wenn wir hören: Messerstecherei, Wucher, Holzdiebstahl, Buntmetalldiebstahl, Massenschlägereien zwischen zwei Familien, dann – heucheln wir jetzt doch nicht! – wissen alle, dass diese Verbrecher nur Zigeuner gewesen sein können! Das ist kein Vorurteil, das ist Erfahrung, das ist die Wirklichkeit. Darüber wird aber geschwiegen. Unsere Partei Jobbik und die Ungarische Garde hat hier historisches geleistet: Wir haben diese Mauer des Schweigens durchbrochen.

Über jene Wahrheit, die viel weniger populär, plakativ und greifbar ist, wird genauso geschwiegen: Dass die Kriminalität keine ethnische Frage ist. Metalldiebstahl, Holzdiebstahl, Diebstahl der Gurken des Nachbarn…

V. Die Kriminalität ist eine soziokulturelle Frage, in diesem Punkt sind wir uns einig…

Wenn Sie verstehen, dass es kein ethnisches Problem ist, ist es dann nicht eine furchtbare Verantwortungslosigkeit, die Sache auf Abstammung, auf die Zigeuner zu reduzieren?

V. Kriminalität ist nicht eine Frage der Hautfarbe, die Zigeunerkriminalität bezieht sich nicht auf jeden Zigeuner. Ich bin schon so weit, wenn nun dieses Wort das Hindernis für die Lösung des Problems ist, dann verzichte ich auf dieses Wort. Die Hauptsache ist, dass das Problem gelöst wird.

Warum sprechen Sie nicht von den hunderttausend Familien, in denen die Erwachsenen regelmäßig einander oder die Kinder schlagen?

V. Weil es auch andere Gewalt gibt, ist es nicht erlaubt über die Zigeuner zu reden?

Doch, aber sie haben sich ausschließlich jene Verbrechensformen an die Fahnen geheftet, bei denen die Tätergruppe eine große Überschneidung mit den Zigeunern aufweist.

V. In Veszprém wurde ein Mensch im Affekt ins Herz gestochen, das ist, meiner Meinung nach, eine typische Episode der Zigeunerkriminalität gewesen. Sicher gibt es auch nicht zigeunerische Täter, aber wenn eine alte Frau wegen einem Becher Sauerrahm oder ein paar tausend Forint umgebracht wird, sind die Täter fast immer Zigeuner.

Die Zigeuner sind also leicht reizbare, sanguinische Menschen, die gleich zum Messer greifen?

V. Ja, so ist es, aber ich bin kein Experte bezüglich dieser Frage.

Über die Ungarn kann man dann sagen, dass sie überlegter handeln, eher Auftragsmörder bezahlen, Tankstellen, Geldautomaten und Banken wie in Mór ausrauben? [In Mór wurden bei einem Banküberfall 8 Menschen niedergemetzelt.]

V. Wir reden von der Zigeunerkriminalität, die laut dem Großteil der Gesellschaft sehr wohl existiert. Wer das bestreitet, sucht nicht nach Lösungen, sondern schürt die Spannung.

Das Kindergeld würde laut ihrem Programm nur bis zu drei Kindern ausbezahlt. Darüber könnte man es als Steuervergünstigung wahrnehmen. Die Familien, die viele Kinder haben und in großer Armut leben – das sind vor allem Zigeunerfamilien – in denen auch oft die Eltern noch arbeitslos sind, würden teilweise nur mehr die Hälfte an Einkommen haben. Sie würden dann auch noch neben jeden Zigeuner einen Gendarmen stellen. Glauben Sie nicht, dass diese reine Symptombehandlung einerseits zu einer sozialen Katastrophe führen würde, andererseits sich die ethnischen Spannungen noch verstärken würden?

V. Nein, wir wollen nicht nur die Symptome bekämpfen, die Wurzel des Problems ist, dass es keine Arbeit gibt. Im Tausch dafür gäbe es Arbeit.

Welche Arbeit wird es in Bodrogköz, in Ormánság geben? [Die ärmsten Regionen Ungarns.]

V. Eine große Sünde der letzten zwanzig Jahre ist die Zerschlagung der Landwirtschaft. Unserer Vorstellung nach muss Ungarn Agrarmärkte finden. Die Politik muss eine Lösung finden, auch wenn das zu Konflikten mit der EU führt. Der heimische Markt muss dem ungarischen Agrarium vorbehalten bleiben. Keine thailändischen Paprika und keinen chinesischen Knoblauch! Angeblich könnte Ungarn dreißig Millionen Menschen ernähren, wenn wir unsere Ressourcen nützen würden, wir müssten uns nach ausländischen Märkten umsehen.

Wenn wir den heimischen Markt für ausländische Produkte sperren, können wir – wenn wir dann überhaupt Mitglieder bleiben dürfen – sicher nicht mehr in die EU exportieren.


V. Im Osten gibt es genügend Märkte, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir ungarische landwirtschaftliche Produkte nicht in Massen nach Russland, China, Japan exportieren könnten. Wenn wir so weit sind, lohnt es sich, in die Landwirtschaft zu investieren, und das schafft Arbeitsplätze. Die landwirtschaftlichen Unternehmen, die kurz vor der Exekution stehen, die Familienbetriebe zu retten, ihnen wieder auf die Beine zu helfen, würde Arbeitsplätze schaffen.

Ist das nicht ein Widerspruch? Sie wollen Familienbetriebe fördern und mit diesen neue Auslandsmärkte erschließen? Wie können deren Produkte in China wettbewerbsfähig sein?

V. Insofern haben sie recht, dass diese Frage von der Zukunft entschieden werden muss. Es ist vor allen eine Frage des Willens. Will die ungarische Politik nun die ungarische Landwirtschaft retten? Nein, will sie nicht. Wenn die Landwirtschaft wieder auf die Beine kommt, wird auch die Lebensmittelindustrie und die Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen in Ungarn, in ungarischer Hand, wieder eine Blütezeit erleben.

Ich habe von wirtschaftlicher Irrationalität gesprochen und Sie beginnen mir vom Willen zu erzählen.

V. Denn ich glaube, ein Aufblühen der Landwirtschaft ist vor allen eine Frage des Willens, des politischen Willens. Wir sehen die Zukunft in den Familienbetrieben und kleineren Agrarunternehmen. Doch wenn wir diesen Weg beschreiten, muss man natürlich flexibel sein, und wenn man Veränderungen machen muss, müssen wir dazu imstande sein. Es wäre schön, wenn wir schon so weit sein würden und unser Programm testen könnten.

Ein Eckstein Ihres Wirtschaftsprogrammes ist, dass die ungarischen Klein- und Mittelbetriebe (KMB) genau die gleichen Vergünstigungen bekommen müssen wie die hier investierenden multinationalen Firmen. Was würde das in der Praxis bedeuten?

V. Laut der mir bekannten Statistiken bekommen die ungarischen KMB nur drei Prozent der EU-Förderungen, die in Ungarn verteilt werden. 97 % erhalten die Großen, die zum Großteil in multinationalen Händen sind. Das ist an sich schon ungerecht und noch ungerechter, wenn wir dazusagen, dass zwei Drittel der ungarischen Arbeitnehmer von KMB beschäftigt werden.

Der größte Teil der EU-Förderungen wird für Strukturverbesserungen und Kohäsion verwendet, große öffentliche Investitionen, Verbesserung der Infrastruktur. Bei diesen Ausschreibungen können sich nur große Firmen bewerben, die Kovacs und Co GmbH nicht oder höchstens als Subunternehmen. Was kann man daran ändern?

V. Diese ganze Sache muss neu durchdacht werden. Und unsere EU-Mitgliedschaft bringt keinen einseitigen Geldstrom, es gibt auch eine andere Richtung, die Beiträge, die bezahlt werden müssen. Man weiß nicht genau, ob wir nun Nettozahler sind oder mehr zurückbekommen, als wir bezahlen.

Die ungarischen Beitragszahlungen liegen unter einem Prozent des BIP, demgegenüber können wir zwischen 2007 und 2013 bereits 4,8% des BIP, also mehr als 10.000 Mrd. Forint verbrauchen.

V. Meiner Meinung nach zahlen wir fast so viel ein, wie wir zurückbekommen, einen wesentlichen Unterschied gibt es da nicht. Die Einzahlungen sind eine Tatsache, die Förderungen sind Möglichkeiten, für die man sich bewerben muss. Mit Vorfinanzierung, Eigenanteil und Bedingungen, die nur auf Multis zutreffen.

Die Multis tauchen in ihrer Welt als diabolische Kräfte auf, die alles Geld in sich aufsaugen.

V. In den meisten Fällen ist das genau so.

Diese Firmen investieren hier Milliarden und beschäftigen viele zehntausende Menschen, haben einen großen Kreis von Zulieferern, führen eine moderne technische und Unternehmenskultur in Ungarn ein, sie lassen bauen…

V. Gebäude in Leichtbauweise, die man, wenn der Sturm kommt oder die Wirtschaftskrise, einfach so zurücklassen kann, wenn man davonläuft. Wir haben multinationales Kapital schlechter Qualität angezogen, bauen in China hergestellte Einzelteile zusammen und verkaufen sie. Und auch was die Größenordnung betrifft, ist das multinationale Kapital hier bei uns viel zu viel.

Sind General Electrics, Audi und Mercedes auch zu viel?

V. Es kommen z.B. Autoreifenproduzenten hierher, die wahnsinnig umweltbelastend sind. Für die multinationalen Firmen ist Ungarn eine Steueroase, sie bekommen sehr billige aber sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte, und sie erlauben keine Gewerkschaft in ihrer Firma. Der Großteil des Profits wird nach Hause abgeführt und zum Steueraufkommen tragen sie nur minimalst bei.

Die Beiträge, die für jeden Angestellten bezahlt werden müssen, bezahlen sie genau wie die KMB, sie werden nur bezüglich der Gewerbesteuer begünstigt.

V. Man muss neue Arten von Steuern einführen, die den Beitrag der Multis am Steueraufkommen erhöhen. Z.B. die Werbesteuer. Die Werbeeinnahmen der großen privaten Radio- und Fernsehsender betragen mehr als 1000 Mrd. Forint, ich weiß nicht, wie viel es genau ist.

Die Einnahmen betragen nicht einmal 100 Mrd.

V. Einigen wir uns auf mehrere hundert Mrd. Forint. Die jährliche Staatsschuldenlast beträgt ungefähr 1200 Milliarden, die muss von uns allen getragen werden. Warum hat das noch nie jemand vorgeschlagen: Wir haben hier diese heilige Kuh – die Werbeinnahmen, und die will keiner besteuern? Im Hinblick auf die Krise müsste davon mindestens ein Drittel eingefordert werden.

Glauben Sie nicht, wenn es teurer ist, Reklame an eine bestimmte Menschgruppe zu bringen, dass diese Mehrkosten in den Preis eingebaut werden und sie schließlich wiederum vom Konsumenten bezahlt werden müssen?

V. Das ist eine Hypothese und sie ist logisch, das muss ich zugeben, doch ich glaube nicht, dass man mit einer weiteren Preiserhöhung auf dem Markt jetzt Ergebnisse erzielen kann. Wenn sie ihre Produkte verkaufen wollen, werden sie die Preise nicht erhöhen. Man kann auf Sie, auf mich, auf all die anderen anständigen Menschen Druck ausüben und auf die Großunternehmen nicht?

Warum wollen sie die Gay Pride Parade verhindern? Warum ist es gut für Sie, einer Gruppe ungarischer Staatsbürger das Recht auf Versammlungsfreiheit abzusprechen?

V. Ich bin der Meinung, dieser Umzug verletzt auch die normalen, anständigen Homosexuellen in ihrer Ehre.

Waren Sie schon einmal beim Umzug dabei?

V. Nein. Aber ich habe Bilder und Filme gesehen.

Die Medien zeigen immer gerne die Extreme: Menschen, die im Tanga und rosaroten Kleidern herumhüpfen. Der Großteil der Teilnehmer ist aber ganz normal angezogen.

V. Dafür eine Lösung zu finden, ist die Aufgabe der Organisatoren. Was wir im Rahmen dieses Umzuges sehen, ist organisierte Provokation. Mich stört nicht, dass es auf der Welt Homosexuelle gibt, die hat es immer gegeben. Doch sie haben nichts auf der Straße verloren. Was hier geschieht, ist Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Was Erregung öffentlichen Ärgernisses ist und was nicht, hängt nicht von Ihrer Meinung ab, sondern vom Gesetz. Wenn zwei heterosexuelle Teenager im Autobus herumschmusen, ist das für Sie offensichtlich keine Erregung öffentlichen Ärgernisses.

V. Nein, das gehört zum Alltag. Ich hoffe, es wird niemals zum Alltag gehören, dass ein stark behaarter Mann in einem violetten Tanga mit einer rosaroten Bibel in der Hand auf einem Lastwagen herumtobt. Vielleicht ist es Spanisch für Sie, warum das die Mehrheit der Gesellschaft irritiert.

Im Herbst 2006 ist die Polizei brutal gegen die Demonstranten in Budapest vorgegangen [damals wurde z.B. des Gebäude des ungarischen Fernsehens von Randalierern gestürmt; später dann wurde bei den Feierlichkeiten zum Volksaufstand 1956 ein Panzer gestohlen – Anm. d. Übers.] Dagegen haben auch Sie mit Recht protestiert, und haben sich dabei auf Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit berufen. Wenn die Homosexuellen ihre Gay Pride abhalten, wollen Sie ihnen gerade diese Rechte absprechen. Gehört es nicht zur Demokratie, dass wir, auch was uns irritiert, solange es innerhalb des gesetzlichen Rahmens bleibt, dulden?

V. Nein. Es gibt Schwulenklubs, dort können sie hingehen, wenn sie in solcher Kleidung herumlaufen wollen. Der Umzug der Ungarischen Garde [die seit Herbst 2009 aufgelöst und verboten ist, dennoch wird weiter marschiert – Anm. des Übs.] auf der Andrássystraße wird nie genehmigt, weil dadurch, laut Begründung, die Gefühle bestimmter Gesellschaftsgruppen verletzt werden. Der Schwulenumzug verletzt unsere Gefühle. Es scheint, in Ungarn haben die Schwulen mehr Rechte als die Mitglieder der Garde.

Was ist Ihre Meinung zum Turuldenkmal das man im 12. Budapester Gemeindebezirk ohne Genehmigung errichtet hat? Es soll abgerissen werden, diesbezüglich gibt es ja auch schon ein rechtskräftiges Urteil.

V. Und das ist wiederum eine politische Provokation. Die Menschen haben sich für diese Statue stark gemacht, auch der Bezirk; und die Stadt betreibt Vogelstraußpolitik und protestiert dagegen. Soviel ich weiß, hat es auch andere Sachen gegeben, die ohne Genehmigung, auf ähnliche diskutable Weise gebaut wurde, trotzdem hat Gábor Demszky [der Budapester Bürgermeister] nicht dagegen protestiert. Wenn sie ein wenig Anstand hätten, würden sie sagen, wir regeln das Rechtliche, damit der Turul stehen bleiben kann.

Der Staatliche Rechnungshof hat die Partei Jobbik gerügt, weil sie seit ihrer Gründung ihre Bilanzen nicht veröffentlicht hat.

V. In dieser Sache hat unser Parteidirektor eine Erklärung abgegeben, er hat das mit der Aufstellung des Vorstandes begründet.

Deshalb ist es Ihnen seit 2003 unmöglich, die Bilanzen zu veröffentlichen?

V. Ja, der Vorstand wird sich jetzt im September konstituieren. Eigenartig, dass das gerade jetzt, während der Wahlkampagne so dringend geworden ist, oder eher eindeutig, wovon hier eigentlich die Rede ist. Wir verfolgen eine gesetzestreue Politik, eine Politik von Recht und Ordnung, und die sehen wir auch für uns selbst als verpflichtend an. Deshalb werden wir in Zukunft darauf achten, besonders auch deshalb, weil wir wirklich nichts zu verheimlichen haben.

Ihre Gesetzestreue bedeutet also, dass, wenn es um Ihnen sympathische Symbole oder Angelegenheiten geht, über den Gesetzesbruch hinweggesehen werden soll, die unsympathische Gay Pride muss aber verhindert werden, obwohl sie gesetzeskonform ist?

V. Das ist jetzt sehr überspitzt formuliert. Die Frage ist eher, wenn jetzt das Denkmal abgerissen wird, der Bezirk es danach genehmigt, es wieder aufgestellt wird, wie dann die Stadt reagieren wird. Ich bin überzeugt, Gábor Demzsky hat kein Problem damit, dass es keine Genehmigung gibt, er hat ein Problem mit dem Turul-Vogel. Darum sage ich: Das alles ist viel Tamtam um nichts. Das ist keine rechtliche Angelegenheit, genau wie der Prozess gegen den Verein Ungarische Garde keine rechtliche Angelegenheit ist, sondern eine politische.

Ich habe am Wahltag aus Ihrer Wahlzentrale berichtet, ich war auf mehreren Umzügen der Ungarischen Garde, auf Veranstaltungen der Jobbik. Aus Ihrem Programm ist der Rassismus leicht herauszuhören, obwohl Sie ihn ja kodieren. Doch auf den Veranstaltungen sind Sie nicht mehr so vorsichtig, dort beschimpfen Sie ganz offen Zigeuner und Juden.

V. Ich habe kein Problem damit, über diese Dinge zu sprechen: Reden wir über die Judenfrage. Schimon Peres hat als Präsident Israels auf einer offiziellen Konferenz gesagt: „Wir werden Ungarn aufkaufen.“ Die heimischen politischen Kräfte müssen dagegen protestieren, dass Israel unser Land besetzt!

Ich denke, Peres sprach über die israelischen Immobilieninvestitionen, das hat er unglücklich formuliert. Und sie haben das aufgeblasen.

V. Ich kann das nicht nicht ernst nehmen. Was bei mir die Alarmglocken auslöst, ist die Tatsache, dass es über diese Aussage weder einen politischen noch einen Mediendiskurs gegeben hat. Es wurde geschwiegen, wie Mitwisser schweigen.

Ihren Erfahrungen nach wird Ungarn wirklich vom israelischen Großkapital aufgekauft?

V. Ja, ich habe diesen Eindruck. Vielleicht ist es eine Verschwörungstheorie, dass Israels Lage immer instabiler wird, im Arabischen Meer können sie nicht mehr mithalten, die amerikanischen Waffen- und Geldtransporte werden auch nicht für immer andauern, Gaza hat ihrem internationalen Ansehen geschadet, und ich kann mir vorstellen, dass sie jetzt nach Fluchtwegen, Fluchtmöglichkeiten suchen. Ungarn bietet großartige Möglichkeiten für die israelische Flucht, weil hier gute Voraussetzungen gegeben sind: die Gesellschaft ist aufnahmebereit, gastfreundlich und die Politiker sind korrupt.

Werden die ungarischen Juden von dieser Invasion profitieren oder darunter leiden?

V. Ich kenne die ungarischen Juden nicht, aber die sind auch ein Block, der sich im Zwielicht aufhält. Das ist ein Tabu, über das man sprechen müsste: Wie ist der Standpunkt der ungarischen Juden, was ist Ungarn für sie? Ihre Heimat oder nur eine provisorische Unterkunft?

Sie sprechen von den Juden als einem Block, der eine homogene Meinung vertritt. Weiß man vom ungarischen Ungarntum, was es will?

V. Ich sehe, dass sich das ungarische Judentum versteckt. Es bezieht keine Stellung, ist weder dafür noch dagegen. Jene, die Stellung beziehen, z.B. der Mazsihisz [Verband der Jüdischen Glaubensgemeinschaften in Ungarn], von denen rinnt es mir kalt über den Buckel runter.

Ich bin ungarischer Jude, habe mit der Mazsihisz nichts am Hut, ich bin hier zuhause, verstecke mich vor niemandem und ich habe keine Ahnung, wie ich aus dem von Ihnen beschriebenen Zwielicht, aus meinem Versteck hervortreten sollte.

V. Das muss nicht ich entscheiden, das müssen Sie entscheiden.

Gerade eben habe Sie gesagt, wir würden uns verstecken. Wenn Sie von den Juden als eine Gruppe sprechen, die gemeinsame, verborgene Absichten hat, wollen Sie sich ganz einfach der negativen Vorurteile ihnen gegenüber bedienen.

V. Ich wäre am glücklichsten von allen, wenn sich herausstellen würde, dass die Aussage von Schimon Peres einfach der Senilität eines alten Politikers entsprungen ist.

Laut Ihrer Profilseite auf einem Gemeinschaftsportal sind Sie Produktmanager. Mit welchem Produkt beschäftigen Sie sich?


V. Ich habe einen Abschluss in Geschichte, war aber nur kurze Zeit als Lehrer tätig. Früher habe ich mich mit Alarmanlagen beschäftigt, jetzt mit Software.

Quelle: http://index.hu/belfold/2009/06/30/amit_latunk_az_szervezett_provokacio

Mittwoch, 20. Januar 2010

mündliche prüfungsaufgabe - staatliche sprachprüfung deutsch, mittelstufe

sie haben gerade versehentlich eine LSD-Marke geschluckt und ihr
parkettboden wirft plötzlich falten, was ihnen überaus eigenartig
erscheint. als sie an die zimmerdecke schauen sehen sie einen
kapitalen hecht seine kreise ziehen. nachdem sie ihren chef zum 5-uhr-
tee eingeladen haben, es vier uhr fünfundvierzig ist und sie noch kein
teewasser aufgesetzt haben, die türe zu ihrer küche jedoch von
dichten urwaldpflanzen verwachsen ist, rufen sie ihren freund an und
bitten ihn um hilfe:

*ähnliche erlebnisse? (chef zum 5 uhr tee eingeladen)
*buschmesser beim scherenschleifer, aber unkrautvertilgungsmittel
*gartenzelt gegen tropischen regenguß?
*wasser aus krokodiltümpel (wie lange kochen)

die situation wurde nicht einmal zum vortest zugelassen

Dienstag, 19. Januar 2010

Mir ist auch schon übel…


Miss Ellie ist tot. Nach einem Herzinfarkt und Brustkrebs, hat die Frau, die die Ewings zusammenhielt, der Lungenkrebs dahingerafft. Ach, welche Erinnerungen: Dienstag, wenn ich mich recht entsinne, J.R.s Bosheiten, Bobby, der Obertrottel, Ray Crebs der Cowboy und Pamela, wegen der heute viele Mädchen ihre Eltern verfluchen, hat sie doch für ihren Namen Modell gestanden. Pamela Ewing ist als Pameeela in die deutschsprachigen Landstriche vorgedrungen. Ich erinnere mich, daß ich die letzte Dallas-Folge im übervollen Fernsehzimmer des Studentenheimes verfolgte; Dallas, die Urmutter aller Seifenopern, die Neugierde, wer denn auf wen geschossen hatte, war aber bald verflogen. Da waren die Softpornos von Pameeela, die dann im Morgengrauen des Internets die Runde machten, schon viel interessanter und sind mir besser im Gedächtnis geblieben. Zurück zum Lungenkrebs der lieben Miss Ellie, die nicht nur die Ewings, sondern auch unsere Familie immer zu versammeln wußte. Sie rauchte wie ein Schlot und weil ich das gleiche mache, bin auch ich ein Lungenkrebskandidat. Doch bitte ich, weil ich noch meine Freude am kurzen Leben haben will, den Trafikanten, wenn er mir eine Schachtel mit der Aufschrift “Rauchen führt zur Impotenz” gibt, gegen eine auszutauschen, die zu einem langsamen und qualvollen Tod führt; man gönnt sich ja sonst nichts.
Vor einigen Tage bin ich wieder aus dem schönen Österreich zurückgekommen und habe mir – auf allen Fronten - Verstärkung mitgenommen: zwei meiner Geschwister (ja, da gibt’s noch mehr). Wenn unsere Familie in kleinen Rudeln auftritt (bei Fischen nennt man das “Schulen”), neigen wir zum Kettenrauchen. Die zwei sind auf die Sziget gekommen (das hab ich jetzt nur geschrieben, damit die Glosse zum eben aktuellen Tagesgeschehen paßt) und zuhause, wir stammen aus einem kleinen Ort nahe der Grenze, fahren sie jede Woche einmal in die Tschechei, um Zigaretten zu kaufen. Dort sind sie natürlich billiger. Wahrscheinlich auch nicht mehr lange. Die europäischen Gesundheitsminister sind ja alle der Meinung, eine Schachtel Zigaretten müßte ungefähr 5.001 Euro kosten (der eine Euro ist die Entsorgungsgebühr für die Zigarettenstummel (Sondermüll), Plastik, Papier und krebsige Lungenflügel (Sondermüll)), damit sich ja keiner mehr eine kauft, schadet ja der Gesundheit.
Und hier haben wir sie wieder: die Lebenslüge. Einerseits schadet das Rauchen der Gesundheit, man könnte krank werden und dann haut man der Volkswirtschaft sozusagen ein Hackl ins Kreuz – schädigt damit den Kapitalismus, schädigt den Staat, der ja heutzutage auch auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist (Hat sich jemand von euch so einen Staat gewünscht? Ich weiß von meinen Eltern, sie nicht – und auch ich nicht…). Und wenn man da ein Raucherbein wegschmeißt, geht’s nicht mehr mit dem Bedienen von multinationalen Unternehmen, folglich Groß- und Kleinaktionären…
Untersuchungen, ganz einfache Plus-Minus-Rechnungen, haben ergeben, daß das Rauchen für den auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Staat keineswegs ein Verlustgeschäft ist: Der Staat verdient an den Rauchern und gar nicht zu wenig: mehr als drei Viertel des Zigarettenpreises wandern in die Taschen des lieben Staates, er muß aber nur rund 20% vom eingenommenen Geld für Krankheitsfälle ausgeben, die vom Rauchen verursacht werden. Und dann sterben wir auch noch früher, wir Raucher! Das wird stets vergessen. Also bekommen wir weniger Pension ausbezahlt, liegen dem Staat weniger lange auf der Tasche als sportliche Grünzeugfresser.
Wir sind das absolute Geschäft: Zahlen viele Steuern, sterben früh. Und noch nie hat jemand “Danke” gesagt. Das tut weh. Die vielen Millionen Raucher werden mich absolut verstehen, die ignoranten Nichtraucher wollen mich nicht verstehen. Rauchen ist ungesund, das wissen wir, dann konzentriert euch doch, liebe Politiker, einmal nicht auf die Gewinnmaximierung, darauf, daß jeder Staatsbürger zu einem geschmiertes Rädchen in der kapitalistischen Maschinerie herangezogen werden muß, lehrt uns, schon in den Schulen, wie man lebt, wie man genießt, laßt uns die Lehrer keine Komplexe anzüchten, lehrt uns, wie wir mit Streßsituationen umgehen sollen, räumt die Probleme aus dem Weg, die gesellschaftlichen, gebt uns Lösungen für unsere Sinnkrisen, aber dalli!! Wenn jeder einen Swimmingpool und Tennisplatz zuhause hätte und sich keine Sorgen ums tägliche finanzielle und geistige Überleben machen müßte, würde es reichlich wenigen einfallen, sich mit Nikotin, Koffein, Fett und anderen Drogen vollzustopfen. Dann bekämen wir nämlich keine Luft beim Sporteln.
Also, im Zeitalter des Neoliberalismus ist die Rache Montezumas, nicht mehr das, was man noch im 20. Jahrhundert darunter verstanden hat. Die Rache Montezumas an Good Old Europe ist der Tabak, der heutzutage offiziell überall verschmäht wird.
Nach den diktatorischen Eskapaden in Irland und Italien, wo man heute nur mehr im eigenen Scheißhaus rauchen darf, aber auch nur dann, wenn das Licht abgedreht ist, denkt man auch in Ungarn über ähnliche Maßnahmen nach, obwohl hier schon seit 4 Jahren ein überaus strenges Rauchergesetz in Kraft ist. In öffentlichen Gebäuden ist mit 30.000 – 100.000 Forint Strafe zu rechen, wenn man sich eine anheizt und dabei erwischt wird. (Das gleiche Gesetz scheint im ungarischen Parlament nicht zu gelten, dort wurden vor nicht allzu langer Zeit von einem Fernsehsender die lieben Volksvertreter bei Qualmorgien gefilmt, woraufhin dieser Anstalt Drehverbot erteilt wurde…)
Trafikanten, die an unter 18jährige Rauchwaren verkaufen, dürfen gleich einmal 100.000 Forint locker machen oder zwischen Schwerverbrechern ein paar schöne Tage im Gefängnis verbringen. (Ein Journalist aus Szeged, nennen wir ihn selbstüberschätzend doch: Kollege; ein Kollege also, wurde 2002 zu zwei Wochen Haft im Csillagbörtön in Szeged verdonnert – dort sitzen die Vergewaltiger, Massenmörder usf. –, weil er sich nach reichlichem Biergenuß eines Nachts an einem Busch Erleichterung verschaffte und eben das Pech hatte, daß Polizisten in jenem Momente ihres Weges kamen. Er ließ trotz wiederholter Aufforderung nicht vom Urinieren ab, leistete sozusagen blasenmäßigen Widerstand gegen die Staatsgewalt, und war anschließend nicht bereit 1.500,-- Forint Strafe zu bezahlen.)
Um die Menschen zur freiwilligen Einhaltung der Gesetze zu zwingen, wird staatlicherseits auf hintertriebene Methoden zurückgegriffen, die sich ein Normalsterblicher nicht einmal im Traume ausmalen möchte. Kindergartenkinder werden von den Behörden ausgeschickt, Zigaretten einzukaufen, mit wenig Erfolg, versteht sich. 17 ½jährige, die wie 20jährige aussehen, werden von den Behörden ausgeschickt, Zigaretten einzukaufen, mit mehr Erfolg versteht sich.
Ähnliche Methoden werden von der APEH, dem ungarischen Finanzamt, angewandt. Einem Bekannten von mir wurde sein Büffet in der Großen Markthalle zugedreht, weil eine sogeglaubte Großmutter mit ihrem Enkel an der Hand eines schönen Tages bei ihm Gulaschsuppe bestellte, zwei Scheiben Brot, diese auch erhielt, dazu den Kassenzettel. Gegen Ende des Tellers Suppe, schickte sie ihren sogeglaubten Enkel noch einmal um eine Scheibe Brot an die Pudel, der Bub bezahlte die zehn Forint, bekam jedoch keinen Kassenzettel. Die sogeglaubte Oma zückte unverzüglich ihren Ausweis – sie war ein verdeckter Ermittler der Steuerbehörde: Strafe wegen Steuerhinterziehung, Geschäft für zwei Tage geschlossen.
Also, wenn wir Raucher im Magyarenland nicht in einer Strafanstalt für Schwerverbrecher aufwachen wollen (neben einem Tauschbörschenbenützer vielleicht), müssen wir uns in Zukunft gründlich vorsehen. Denn in einem Land, in dem, wenn man sich die Kommuniqués und Verlautbarungen der Politiker, die Debatten im Parlament zu Gemüte führt, man meinen könnte, daß 365 Tage des Jahres die Narren das Sagen haben, der eine Abgeordnete den anderen in der Absurdität seiner Büttenrede um Häuser übertreffen will, muß man wirklich mit perversem Erfindungsreichtum der Behörden rechnen: Gebet keinem, den ihr nicht kennt, Feuer!
Das ungarische Rauchergesetz soll, ohnehin schon streng, in zwei Jahren so rigoros sein, wie jenes in Italien und Irland: eine Fortsetzung der saubermännischen Heuchelei der ungarischen Regierungen. Neben dem strengsten Drogengesetz Europas (nur Bestrafung – es sind weder Prävention noch Rehabilitation von staatlicher Seite vorgesehen) vielleicht auch noch das strengste Rauchergesetz?
Aus Ungarn könnte man ein klasses, liberales Ländchen machen – nach holländischem, schwedischem, nicht amerikanischem Vorbild. Doch das wird wohl nicht geschehen.
Zum Schluß eine Nachricht an alle Herrschenden der Erde: Sagt doch ab und zu mal “Danke“ zu eure Untertanen, vielleicht auch zu den Rauchern.

12. August 2005

Freitag, 15. Januar 2010

Szomszédommal való levélváltás

St. hat dir eine Nachricht gesendet.

Betreff: Rend

"Clemens! A lépcsőház megint tiszta sár, a folyosóajtóból az Éva takarította el. Hamár a Roma Holokauszt Emlékmű tisztaságát (nagyon becsülendően) annyira a szíveden viseled, és a lakásotok tisztaságára annyira ügyeltek, hogy a folyosón hagyott cipőitekben a szomszéd kislány majd' orrabukik, nem tennétek meg, hogy a közös területekre is jobban vigyáztok? Amibe persze az is beletarozik, hogy a sötétzödre festett házban nem fested neon-putrizöldre a lakásotok előtti falat. Ehhez ugyanis nem járult hozzá senki a házból. Köszönöm, Gábor"

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From: Clemens Prinz
To: st.
Sent: Thursday, January 14, 2010 11:53 PM


kedves gábor!
nagyon sajnálom, hogy a magas igényeiteknek nem tudunk megfelelni.
clemens

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----- Original Message -----
From: St.
To: Clemens Prinz
Sent: Friday, January 15, 2010 12:12 AM
Subject: Re:


ínem gondolom, hogy túlságosan magas igény, hogy a lépcsőház ne legyen sáros a földszinttől a 4. emeletig és a folyosón ne legyen disznóól. A lakók közül nagyon sokan meg tudják ezt tenni anélkül, hogy többször fel kellene a figyelmüket hívni rá.

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----- Original Message -----
From: Clemens Prinz
To: st.
Sent: Friday, January 15, 2010 12:23 AM
Subject: Fw:


te nem tudhatod, a kosz egy gyerek velejárója. nem lehet mindig a gyerek után takarítani, mert akkor nem csinálnánk mást. te nem értheted ezt, mert úgy tudom, nincs gyereked.
és ami a disznóólat illeti, nyisd ki a bejárati ajtód és nézzél ki magatok elé.
további szép tv-nézést!
clemens

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----- Original Message -----
From: St.
To: Clemens Prinz
Sent: Friday, January 15, 2010 2:12 AM
Subject: Re:


Nekem nincs gyerekem, de a barátaimnak van. És az előtted itt lakónak is volt, mégsem volt sáros a lépcsőház. És ugye a fal előtted nem a gyerektől világoszöld?

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From: Clemens Prinz
To: St.
Sent: Friday, January 15, 2010 11:21 AM
Subject: Re:


"Nekem nincs gyerekem, de a barátaimnak van. És az előtted itt lakónak is volt, mégsem volt sáros a lépcsőház. És ugye a fal előtted nem a gyerektől világoszöld?"

dehogy nem a gyerektől lett zöld:
http://www.youtube.com/watch?v=FB6JNdPvoWc

az "előttünk ittlakókat" sz. zoltánnak és m. lillának hívták, és a ház elkészülte és 2001 között 2x4 évig kiküldetésen voltak külföldön, tehát kb. 2 évet töltöttek itt. amikor itt voltak még nem piszkíthatta össze a "gyerek" (sz. bálint, színművészetire készül) sárral a lépcsőházat, mert túl kicsi volt, amkor megint itt voltak, már túl nagy volt.

a "szomszéd kislány, aki majd' orrabukik" igazából 2 fiatal nő, niki, aki csillagászatot tanul, és kinga, aki közgazdaságtant. győriek, és össze szoktunk járni beszélgetni. cipőink nem zavarják őket, direkt megkérdeztük.

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----- Original Message -----
From: St.
To: Clemens Prinz
Sent: Friday, January 15, 2010 12:16 PM
Subject: Fw:

Nézd Clemens, én ezen nem fogok veled vitatkozni. Tudom, hgy kit hogy hívnak és nem ez volt a mondandóm lényege.
Azt hittem, egy diplomás ember megérti, hogy egy közösségben nem teheti mindig azt, amihez épp kedve szottyan.
De úgy látszik, tévedtem.

Ez a különbség a demokrácia és az anarchia között. Akikre nagyon dühös vagy, hogy összemocskolták a roma holokauszt emlékművet (jogosan vagy dühös), ugyanezt csinálták.
Azt tették, amihez épp kedvük szottyant, mert ők ezt tartották helyesnek és nem érdekelte őket a közösség más tagjainak véleménye.

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----- Original Message -----
From: Clemens Prinz
To: St.
Sent: Friday, January 15, 2010 1:37 PM
Subject: Re:

gábor,
köszönöm, hogy leckét adsz demokráciából, mert ugye, fogalmam nincs, hogy mi az.
továbbá feletébb érdekes, hogy mindig az emlékművel jössz, mert azt összehozni öt kis darab sárral a lépcsőházban, tanubizonyságot ad arról, hogy nehezen megy neked a dolgok jelentőségének, ill. szimbolikus erejének a felismerése.
s ha a közösségben való életről beszélsz, seperhetsz a saját házad táján - mert volt feleségednek, úgy tűnik, fogalma nincs arról, hogy mit jelent ez. az egész utcában ismerik, mint a "tahó a 24-ből", mert minősíthetetlen módon ráordít emberekre az utcán vagy épp valamelyik boltban.
azt javaslom, tekintsük örökre befejezettnek ezt az évente kiújuló vitát - mert sokkal inkább befolyásolja a mi életünket, hogy nap mint nap hajnalig - néha már reggeltől - el kell viselnünk a vadászgéphangosságú házimozitokat (ez különben még egy jó pár embert ugyanúgy zavar a házban ) - de mi nem panaszkodunk, és nem oktatunk ki titeket "közösségben való viselkedésről" - és csukd be arra a 20 másodpercre, amit naponta a gangon töltesz, egyszerűen a szemedet. akkor nincs probléma.
éljétek a ti életeteket, mi éljük a miénket - s amivel folyton próbálkozol, az elképzeléseid ránk erőszakolásával, az nagyon messze van a demokráciától, ez annak a rendszernek a politikai ötlete, amiben felnőttél. egy közösségben egyének vannak, s ők nem azonosak, s nem alkalmazkodással és asszimilálódással viselkednek egymás iránt (egy diktatúrában esetleg igen), hanem toleranciával. a demokratikus szabadság azt jelenti, hogy nem csinálok olyat, hogy hátrány keletkezzen, esetleg bántódása essen a közössegben élő többi egyénnek. ilyet itt nem látok.
tehát tekintsük befezettnek ezt a vitát, de ha neked ez nem megy, megint beárulhatsz a közös képviselőnél vagy akárkinél, nem fog változni semmi, csak mind a ketten nagyon fel fogjuk baszni magunkat, ami ugyan jó edzés az érrendszernek, és a szívizomnak, de nem édesíti feltétlenül a hétköznapokat.
clemens

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----- Original Message -----
From: St.
To: Clemens Prinz
Sent: Friday, January 15, 2010 11:51 PM
Subject: Re:


Jellemző, hogy amikor kifogysz az érvekből, letahózod az Évát. Finom úri modor. Lehet, hogy téged nem zavar, ha fellöknek az utcán, vagy a képedbe fújják a cigarettafüstöt, de őt zavarja. Tudom, hogy ő se hiba nélkül való, mint ahogy én sem, de az emberek nagy része a saját tahóságát nem veszi észre, miközben másra rásüti ugyanezt. Ennyi! A házimozimat meg én nem hallom hangosnak, de ha valaki szól, hogy őt zavarja, lehallkítom. Bármilyen meglepő, ÉN meghallom, ha a másikat zavarja valamit, és nem megsértődöm rajta. És az is érdekes, hogy a Norbiékra például nem kellett "ráerőszakolnom", hogy ne legyen sáros a lépcsőház, maguktól is vigyáztak a tisztaságra. Pedig nekik is volt gyerekük.

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----- Original Message -----
From: Clemens Prinz
To: St.
Sent: Saturday, January 16, 2010 12:36 AM
Subject: Re:

milyen érveket kellene még felhoznom, hogy végre megértsd, hogy más az életszemléletünk?
én évát nem tahóztam le, ezt beszélik róla az utcában, téged sem tahóztalak le, tehát ki viselkedik itt finom úri módon?
én ezzel végleg befejezettnek tekintem ezt a vitát.
clemens

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----- Original Message -----
From: St.
To: Clemens Prinz
Sent: Saturday, January 16, 2010 12:44 AM
Subject: Re:

Szerintem te nem érted, hogy a különböző életszemlélet nem azt jelenti, hogy a közös környezetünket tönkreteheted kényed-kedved szerint. Nem azt mondtam, hogy miért fested a lakásod b
De úgysem érted, hiszen nem ilyen az életszemléleted. Ezért a vitát én is befejezettnek tekintem.